Myanmar-Reise
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Goldene Felsen in Burma: Zwischen Spiritualität und Gedrängel

Die Kyaiktiyo Pagode, besser bekannt als der goldene Felsen, ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Myanmar. Der goldene Felsen von Burma liegt auf einer Höhe von über 1100 Metern und wird, der Legende nach, von zwei Haaren Buddhas an seinem Platz gehalten.

Die Legende des goldenen Felsen in Burma

Der alte Ureinwohner Taik Tha hat von Buddha höchstpersönlich zwei seiner Haare geschenkt bekommen, die er sein Leben lang an seinem Haarknoten aufbewahrte. Als er älter und schwächer wurde, wollte er für dieses kostbare Geschenk einen besonderen Platz errichten lassen und bat den König von Myanmar um Hilfe. Er schenkte ihm die Haare unter der Bedingung, dass sie zusammen eine Pagode für die Haare errichten. So entschieden sie sich, eine Pagode in Form seines Schädels hoch oben auf einem Felsen bauen zulassen, damit die Nachwelt ewig und für immer an seine, die der Haare und somit auch an Buddha erinnert wird. Auf dem Meeresgrund, tief unten, fand er schließlich, nach langem Suchen, den gewünschten Felsen und ließ ihn mit Hilfe des Königs, an die heutige Position bringen und die Kyaiktiyo Pagode errichten. Das bedeutet so viel wie „der Stupa auf dem Kopf des Einsiedlers“. Das Boot, mit dem der Felsen durch magische Kräfte des Königs geborgen und transportiert wurde, befindet sich ebenfalls in Form einer Stupe nicht unweit der großen Pagode.

Der Golden Rock

Der Golden Rock

Legenden erzählen außerdem, dass, wenn du dreimal im selben Jahr den Berg zum goldenen Felsen hoch pilgerst – das dauert mit einer guten Kondition 4 bis 5 Stunden -, du mit Reichtum und Anerkennung überschüttet wirst. Vergiss also nicht deine Joggingausrüstung und fang an zu trainieren.  Mit ganz viel Fantasie kannst du in dem Granitfelsen einen menschlichen Schädel ohne genaue Details erkennen, oder eben nur einen unförmigen Kreis. Der Fels hat eine Höhe von 5,5 Meter, ebenso die goldene Stupa, die auf ihm thront.

Goldene Felsen: Die abenteuerliche Pilgerfahrt im LKW hinauf den Berg

Im Jahresdurchschnitt pilgern knapp 30.000 Burmanen tagtäglich zum goldenen Felsen. Die wenigsten laufen, die meisten lassen sich von den mehr als 150 Kleinlastwagen mit Sitzbänken auf der Ladefläche den Berg hinauf befördern, so auch ich bei meiner Ankunft. Pünktlich um fünf Uhr machte ich mich von meinem Hotel, das gleich neben der Station zum Aufstieg lag, auf den Weg, damit ich zum Sonnenaufgang da bin. Nichts da! Als ich die riesige Halle betrat, hat mich der Schlag getroffen. Hunderte, vielleicht sogar mehr als Tausende von Menschen, 99,99 Prozent Burmanen, die alle auf den Felsen wollten. Bei den Menschenmassen und dem Gedrängel wusste ich gar nicht, wohin ich zuerst schauen sollte, geschweige denn, wohin ich gehen soll. Ich wäre am liebsten umgedreht. Aber einen anderen Weg hinauf gibt es nicht. Zumindest keinen ohne Schweißausbruch. Und es wurde noch schlimmer. Du musst dich mit den Pilgern um einen Platz auf der Rampe – ja genau, eine Rampe, genauso wie beim Verladen von Vieh – förmlich prügeln. Und genauso wie Vieh habe ich mich auch gefühlt. Ohne Drängeln und Schupsen läuft hier nichts. Nachdem du deinen Platz auf einer der zehn bis zwölf Rampen gefunden hast, heißt es beten, dass der nächste freie LKW an deiner Rampe hält.

Goldene Felsen: Verladestation

Goldene Felsen: Verladestation

Die überfüllten Rampen beim goldenen Felsen

Die überfüllten Rampen beim goldenen Felsen

Der LKW mit Menschen

Der LKW mit Menschen

Noch während du da stehst und betest, deine Habseligkeiten an dich drückst und versuchst, Fotos von diesem unglaublichen Chaos zu machen, fahren freie LKW in die überfüllte Halle und werden, sekundenartig, von wartenden burmanischen Jünglingen besprungen und beklettert, die sich so die besten Plätze im LKW sichern. Das sind die Plätze ganz vorne, wo der kalte Wind weniger Angriffsfläche hat. Nachdem ich mir das Spektakel eine Stunde angeschaut habe, ich wollte nicht von der Rampe oder neben die anrollenden LKW fallen, habe ich endlich einen Platz in der zweiten Reihe von vorne auf dem LKW bekommen. Wie die Sardellen in der Dose sind wir anschließend knapp eine Stunde den Berg hochgefahren.

Oben auf dem Berg wurdest du aus dem LKW gescheucht, der schnell wieder mit neuen Pilgern beladen werden musste. Jetzt kommt der goldene Felsen? Nein! Anschließend musst du dich zu Fuß knapp 30 Minuten lang weiter den Berg hochquälen. Auf dem gut bepflasterten Weg lauern unzählige Souvenirverkäufer auf dich, während du im Zack-Zack Parcours an den schleichenden Burmanen mit ihren kurzen Beinchen vorbei spazierst. Jetzt kommt der goldene Felsen? Ja. Irgendwann taucht er in der Ferne auf und du denkst: „Irgendwie habe ich mir den größer vorgestellt. All die Aufregung wegen einem knapp 5 Meter großen Felsen?“.

Der Fußweg von der LKW-Endstation zum goldenen Felsen

Der Fußweg von der LKW-Endstation zum goldenen Felsen

Spektakulär sieht der goldene Felsen von Burma am Abgrund zum Nichts auf jeden Fall aus. Unterhalb des Felsens befindet sich eine neu errichtete Plattform, von der du schöne Fotos machen kannst. Mit seiner goldenen Fassade glänzt und strahlt er dir aus weiter Entfernung entgegen. Toll, denkst du dir, da klebe ich auch erstmal ein Goldplättchen dran und markiere mein Revier. Nichts da! Als Frau kommst du nicht mal in der Nähe des Felsens, geschweige denn in Reichweite. Diese Diskriminierung der Frauen hat mich schwer getroffen, und so habe ich die heilige Pilgerstätte schon nach nur zwei Stunden „verlassen“. Verlassen heißt hier sich wieder auf Rampen anstellen, wieder sich mit hartem Ellenbogeneinsatz einen Platz erkämpfen und den ganzen Spaß in umgekehrter Reihenfolge durchlaufen. Die Rückfahrt war sogar noch schlimmer. Anstatt einfach von Punkt A, der Einsteigrampe, nach Punkt B, der Ausladerampe am Fuße des Berges zu fahren, macht ihr viele lustige Stopps, direkt in der brennenden Sonne, damit die Souvenirverkäufer dir ihren Scheiß unterwegs verkaufen können.

Der goldene Felsen in Myanmar

Der goldene Felsen in Myanmar

Reisebericht: Der goldene Felsen in Myanmar

Reisebericht: Der goldene Felsen in Myanmar

Reisebericht: Der goldene Felsen in Burma

Reisebericht: Der goldene Felsen in Burma

Goldene Felsen: Fazit meines Besuchs

Wenn du mal ein echtes Abenteuer suchst, dich total überfordert fühlen möchtest, von A nach B und Z gedrängelt werden willst, über eine Rampe verladen werden möchtest und anschließend knapp eine Stunde wie eine Sardelle in der Dose den Berg hochgefahren wirst, dann ist ein Besuch der Kyaiktiyo Pagode, dem goldenen Felsen in Burma, genau das richtige für dich. Spass beiseite: Der goldene Felsen gehört einfach zu einem Besuch in Burma dazu. Ich habe ihn einmal gesehen und das Abenteuer mitgemacht, ein zweites Mal werde ich nicht wiederkommen. Da bevorzuge ich doch die Swedagon Pagode in Yangon oder die Tempel von Bagan als heilige Pilgerorte.

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